Kontaktzonen im mittelalterlichen Europa
Im Rahmen der mittelalterlichen Geschichte werden am DHIP vier Forschungsvorhaben bearbeitet, die sich auf unterschiedliche Art und Weise den Akteuren der mittelalterlichen Gesellschaft und ihrer Vernetzung widmen: der päpstlichen Kurie, den weltlichen Herrschern sowie weltlichen und kirchlichen Amtsträgern.
Die Gallia Pontificia ist das Langzeitprojekt des DHIP. Sie erfasst, ediert und kommentiert alle Papsturkunden für französische Empfänger bis zum Ende des 12. Jahrhunderts. Päpstliche Schreiben entscheiden Anfragen rechtlicher Natur. Sie reagieren auf Streitfälle innerhalb der französischen Kirche und wirken zugleich innovativ, da sie in vielen Fällen neues Recht setzen.
Das Forschungsprojekt zur Mobilität des Rechts widmet sich dem Transfer von Rechtstexten am Beispiel der Bestimmungen, die zwischen dem 11. und 14. Jahrhundert zum Umgang mit Juden in Europa erlassen wurden. Ziel ist, die Verbindung der Rechtstexte untereinander zu rekonstruieren und diese parallelen Entwicklungen zu erklären.
Die Entstehung der Universität von Paris steht im Mittelpunkt eines Dissertationsprojekts, das die Universitätswerdung als einen Vergemeinschaftungsprozess analysiert und nach den zeitgenössischen Voraussetzungen, Wirkungsfaktoren und Mechanismen dieser Institutionalisierung fragt.
Vor dem Hintergrund kirchlicher Reformprozesse untersucht das Dissertationsprojekt zu bischöflichen Netzwerken die Interaktionen der Bischöfe in der Reimser Kirchenprovinz. Der Fokus liegt auf möglichen Gruppenbildungen und deren Einfluss auf die Auseinandersetzung mit anderen, regional wie überregional agierenden Herrschaftsträgern.
Gallia Pontificia
Papsturkunden in Frankreich
Prof. Dr. Rolf Große
Mobilität des Rechts
Transfer von Rechtstexten am Beispiel der Stellung der Juden in Europa
Dr. Amélie Sagasser
Bischöfliche Netzwerke in der Kirchenprovinz Reims (1050–1150)
Sebastian Gensicke
Vergemeinschaftung durch Wissen – Das universitäre Imaginär und die Entstehung der Universität von Paris (12. bis 13. Jahrhundert)
Maria-Elena Kammerlander
Das Team
Prof. Dr. Rolf Große
Amélie Sagasser
Sebastian Gensicke
Maria-Elena Kammerlander
Termine
In der Abteilung Mittelalter sind folgende Veranstaltungen in Vorbereitung.
Jeux éducatifs et savoirs ludiques dans l’Europe médiévale
Studientag des DHIP (V. Kopp) in Zusammenarbeit mit der EHESS (F. Aceto).
Maskulinität(en) – Feminität(en) im Mittelalter
Tagung organisiert vom DHIP (C. Buyken).
In den Gesellschaften des Mittelalters stellt Geschlecht ein eminentes Ordnungsprinzip dar, das soziale...
Beihefte der Francia
Vanina Kopp, Der König und die Bücher. Sammlung, Nutzung und Funktion der königlichen Bibliothek am spätmittelalterlichen Hof in Frankreich, Ostfildern (Thorbecke) 2016.
Groupes cathédraux et complexes monastiques. Le phénomène de la pluralité des sanctuaires à l’époque carolingienne
Marie-Laure Pain (Hg.)
Rennes 2016
Du royaume franc aux origines de la France et de l’Allemagne. 800–1214
Rolf Große
Villeneuve d’Ascq 2014.
Abgeschlossene Projekte
Die Forschungsgruppe »Spiele und Wettkämpfe in der mittelalterlichen Soziabilität« (2014–2019 am DHIP) hat die gesellschaftliche Funktion von Spielen und Wettkämpfen im Rahmen von mittelalterlicher »Freizeit« und »Unterhaltung« untersucht.
Charlemagne
Das Forschungsprojekt anlässlich des 1200. Todestages Karls des Großen hatte zum Ziel, seine Herrschaft unter neuen Perspektiven zu beschreiben. Eine Nachwuchsforschergruppe mit zwei Doktorandinnen und eine internationale Tagung »Charlemagne: les temps, les espaces, les hommes. Construction et déconstruction d’un règne« bildeten die beiden Säulen des Projektes.
Internetportal zum Hof von Burgund im 15. Jahrhundert, in dem sich auch die Prosopographia Curiae Burgundicae befindet, eine Datenbank der Angehörigen des Hofes.
